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  • Spanien: „Ibiza, das ist Sodom und Gomorra“ / GB: Logische Exzesse im Sündenpfuhl

    von Edith Kresta Quelle: taz.de / Von Erik Eggers, London Quelle: neues Deutschland

    Christoph Schwarz betreibt eine Escort-Agentur für zahlungskräftige Schwule und vermögende Frauen auf Ibiza. Für ihn bedeutet die Insel das große Geld.

    Christoph Schwarz schmiss mit 15 die Schule. Er jobbte als Eisverkäufer und Model in New York. Er kokste, dealte und saß dafür in den USA im Knast. Er ging nach Mallorca und eröffnete ein Schwulenbordell. Doch er fand noch Besseres. Schwarz entdeckte, wie er sagt, „das faszinierendste Stück Erde“: Ibiza. Er gründete eine Callboy-Agentur – für Menschen, denen der Preis egal ist.

    Ibiza bestehe nur aus einem einzigen Grund: um Freude zu haben. Die Insel bedeutet für Schwarz: die berühmtesten Clubs der Welt mit den berühmtesten DJs der Welt und 8.000 bis 10.000 Partygästen. Ibiza bedeutet für Schwarz auch: das große Geld.

    „Zu meinen Kundinnen gehören geschiedene Frauen, reiche Witwen oder Ehefrauen mit Kreditkarte des Mannes“, sagt Schwarz im sonntaz-Gespräch. Sie seien zwischen 40 und 65 Jahre alt. „Ein Junge kostet bei mir 5.000 Euro für 24 Stunden.“ Seine Angestellten kommen, wie er sagt, zur Hälfte aus gutem Hause: junge Anwaltsanwärter seien darunter und Kieferorthopäden. „Sie sind alle über zwanzig und sind sich sehr bewusst, was sie tun.“ Sie seien muskulös, gut aussehend, intelligent.

    Seine Kunden kontaktieren Schwarz über Telefon. „Da sagt dann einer: Wir haben am Donnerstag eine Party, oder ich fahre am Freitag mit meiner Yacht zwei Tage raus und da hätte ich gern jemanden.“ Genervt ist er von den Eskapaden und Ausrastern einiger Party-Touristen. Von Menschen, die rabiat werden und „Menschen wie Dreck behandeln.“ Manche, sagt Schwarz, verprassen ihr Geld auf ungute Weise. „Sie bestellen riesige Magnum-Flaschen Champagner für 40.000 Euro, die dann öffentlich versprüht werden.“

    Schwarz ist sich sicher: „Wenn es ein Sodom und Gomorra gibt, dann ist das sicherlich Ibiza.“

    Im ganzen sonntaz-Gespräch in der aktuellen taz-Wochenendausgabe spricht Christoph Schwarz außerdem über schlechte Drogen, Dauersaufen und die Zweitklassengesellschaft auf Ibiza. In der Wochenendausgabe der taz vom 21./22. Juli – an jedem gutsortierten Kiosk, im eKiosk oder per Wochenendabo direkt in Ihrem Briefkasten.

    Aus der taz.de vom 20.07.2012


    Von Erik Eggers, London

    Logische Exzesse im Sündenpfuhl

    London 2012 – Teil sechs der nd-Serie: Sex gab es während der Spiele im Olympischen Dorf schon immer

    Als Ryan Lochte 2008 zu den Olympischen Spielen nach Peking reiste, war er liiert. »Ein großer Fehler«, sagt der amerikanische Rückenschwimmer, der in China dreimal mit Gold dekoriert wurde. Diesmal, in London, ist alles anders. »Jetzt bin ich Single. Deswegen sollte London wirklich gut werden. Ich bin sehr aufgeregt.« Im olympischen Dorf, wo die rund 10 000 Athleten wohnen, gebe es schließlich sehr viel Sex. Etwa 70 bis 75 Prozent der Sportler, schätzt Lochte, würden sich nicht nur um den Sport kümmern bei den Olympischen Spielen. »Hey, manchmal musst Du tun, was zu tun ist.«

    Lochte ist nicht der einzige prominente Sportler, der dem Magazin des US-Sportsenders ESPN nun anvertraut hat, was läuft in dieser Athletenenklave, in der es förmlich riecht nach Testosteron und in dem nun in London angeblich 150 000 Kondome verteilt werden sollen. Laut Torfrau Hope Solo, die 2008 mit den US-Fußballerinnen in Peking olympisches Gold gewann, ist das olympische Dorf ein Sündenpfuhl, die moderne Ausgabe von Sodom und Gomorrha. »Ich habe Leute gesehen, die draußen Sex hatten. Auf dem Gras, zwischen den Gebäuden, die Leute waren schmutzig und verdorben.« Solo selbst berichtet von einer wüsten Party nach ihrem Olympiasieg, mit dabei auch Schauspieler Vince Vaughn, und sie selbst sei, nun ja, mit einer Berühmtheit auf dem Zimmer gewesen. Mit wem, verrät sie nicht. »Das bleibt mein olympisches Geheimnis.«

    Für die Fußballerin sind Exzesse im olympischen Dorf freilich fast logisch. »Athleten sind Extremisten«, erklärt sie. Wenn Sportler trainieren, dann legten sie alle ihre Kraft auf das Training. Und wenn sie nach all den Qualen und abstinenten Phasen nach dem Wettkampf einen trinken gehen, sagt sie, »dann werden es 20 Drinks«. Hinzu komme die Einmaligkeit. Viele Sportler hätten nun nur einmal die Möglichkeit, an den Olympischen Spielen teilzunehmen. »Da will jeder an seinen Erinnerungen bauen, ob nun beim Sex oder bei der Party.«

    Hinzu kommt, dass es weltweit wohl keinen anderen Ort gibt, an dem sich so viele trainierte und wohlproportionierte Körper versammeln und begutachten. Schon vor diesem Hintergrund ranken sich viele Legenden um angeblich besonders wilde Sportlerinnen und Sportler. Ganz vorn dabei: blonde Skandinavierinnen, Beachvolleyballerinnen, Wasserballer. Auch die Kunstspringer sind weit vorne in diesem Festival der am besten geformten Körper.

    Einer der berühmtesten Springer der olympischen Geschichte, Greg Louganis, hat davon berichtet, dass die Liebe zu anderen Körpern auch ideologische Schranken überwand. 1976 in Montreal, bei seinen ersten Spielen, sei er auf den Partys der sowjetischen Springer gelandet. Ihn habe die sexuelle Freiheit, die diese Sportler bei Kaviar, Wodka und Champagner an den Tag gelegt hätten, wie ein Blitz getroffen, zumal er damals erst 16 Jahre alt war und sich damals »erst langsam selbst entdeckte«. Er selbst warf ein Auge auf einen Sowjet, der aber mit einem anderen öffentlich schlief. Louganis, der 1984 und 1988 viermal Gold holte, avancierte später zu einem Idol der Homosexuellenbewegung.

    Freilich scheint es Sportarten zu geben, die benachteiligt sind. »Wenn man die gesamten Spiele eine Partie vor der Brust hat und das Finale am letzten Sonntag ansteht, bleibt wenig Zeit für andere Dinge«, berichtet der ehemalige Welthandballer Daniel Stephan, Olympiateilnehmer 1996, 2000 und 2004. Sein ehemaliger Kollege Frank von Behren stimmt dem zu. »Das ist ein Mythos«, sagt er, »zumindest bei uns«. Offenbar eine Ausnahme: Stefan Kretzschmar, dessen Liaison mit Franziska van Almsick bekanntlich bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney begann.

    Dass die Olympioniken fernab der Heimat auch auf andere Ideen kommen, ist so alt wie die modernen Olympischen Spiele. Schon in Athen 1896 hoben die Berichterstatter die Straßenprostitution unter der Akropolis hervor. 1900 in Paris lobte der deutsche Springer Kurt Doerry die galanten Franzosen, die es verstanden hätten, ihren sportlichen Besuchern nicht nur gute Kämpfe, gutes Essen und guten Wein, sondern auch erotische Genüsse vorzusetzen.

    Aus neuesDeutschland vom 24.07.2012

     

     

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